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                                                                 Das bin Ich 

                       

Als mein Vater sein Fleisch in das meiner Mutter steckte, ahnten beide noch nicht, daß sie die Folgen falsch berechnet hatten. War es doch ursprünglich nur eine Sache des Spaßes - so wurde spätestens nach ca. neun Monaten Ernst daraus, den sie Torsten nannten. Genau im Juli 1980 um 4.05 Uhr erpresste mich meine Mutter. Ihre Schmerzen waren ein Vorgeschmack auf das, was sie mein ganzes Leben lang verfolgen würde. Geschlagen und mit dem Kopf nach unten gehangen testeten die Ärzte mein Leben. Nun war ich und bin immer noch. Auch wenn meine Geburt ein Geburtsfehler war, so versuche ich doch, die Fehler meiner Eltern wieder gut zu machen. Kurz nach meiner Ankunft hatte ich schon die ersten Suchtprobleme. Allerdings habe ich diese Gelbsucht heute im Griff und bevorzuge hauptsächlich die Farbe Schwarz. Meine weiteren Krankheitsbilder sind in diesem Heft abgebildet. Wie gebildet ich in der Schule war erzähle ich hier nicht - da ich nur schreibe. Schreiben habe ich in der Schule gelernt. Ansonsten habe ich dort nicht viel begriffen - außer vielleicht meinen Kugelschreiber, meine Hefter und meine Bücher. Aber nicht alles, was man begreift, begreift man auch. Außerdem muß ich darauf aufmerksam machen, daß ich meinen Lehrern nicht so viel Aufmerksamkeit entgegenbrachte, die sie auch dementsprechend hoch honorierten. Trotzdem nutzte ich den Unterricht sinnvoll. Meine am besten aussehenden Hefter waren "Mathe" und "Chemie". Meine schlechtesten Fächer waren Chemie und Mathe. Jeodch bin ich dessen nicht schuldig, denn etwaige Produktionsfehler meines Hirns sind auf meine Eltern und meinen Bruder zurückzuführen, der vor einigen Jahren mit mir auf der Fahrradstange gegen ein verschlossenes Scheunentor fuhr, so daß ich als Rammbock diente. Dies sei nur als Entschuldigung erwähnt und natürlich nur wegen der begrenzten Länge des Textes nicht weiter beschrieben. Außerdem wollte ich hier kein unwissendschaftliches Gutachten über etwas ablegen, was mir nur in bescheidener Form gegeben ist und was demzufolge nur sehr unergiebig in der Schule eingesetzt wurde. Und die Schule ist überall. Du kennst ja das Sprichwort: "Man lernt nie aus!".Dann habe ich durch Zufall einen meiner kritischsten Freunde kennengelernt. Da man ihn nicht vorverurteilen soll nenne ich ihn hier nicht. Mit diesen drei Faktoren war ich für den Rest meines bisherigen Lebens gezeichnet. Mich hatte sowieso schon vieles angestunken. Außerdem war die Zeit und ich schon lange reif, mich von meinem Stammbaum zu trennen. Auf jeden Fall war ich auf jeden Fall vorbereitet. Ich dachte jedenfalls - oder unterschied ich mich doch nicht von anderen? Zumindestens dachte ich nach und vor. Soweit ich denken konnte. Ich war der Ansicht, mir bessere Aussichten durch Weitsicht zu verschaffen. Und aus meinem Blickwinkel hatte ich den Standpunkt, ein Weitsichtiger zu sein. Sozusagen: Die Rebellion eines Fernsehers. Doch nun stand ich da als Abfall zweier Menschen einer Generation und werde selbst nur Abfall hinterlassen(!)? Wozu hatten mich meine Eltern geboren? Doch wohl nicht etwa, um das Bruttosozialprodukt zu steigern. Ich wollte mir nehmen, was mir gehört - mein Leben. So wie ich das heute überblicke übersehe ich das auch. Bis unter den Hals in Gedanken versunken knabberten diese nun an meinem Herzen, und nachdem ein anderes Herz seine zaghaften Klopfzeichen an meines wendete konnte ich das woran ich nicht glaubte, geben. Ergeben, hergeben, abgeben, vergeben, hingeben, all das gehörte dazu. Den gefundenen Schatz schloß ich tief in meine Herzkammer ein. Trotzdem lagen nicht nur Knochen, Fleisch, Haut und Haar. Mein Herz wirbelte zwischen hoch und tief. Infolgedessen brach es auch. Eingegipst und mit einer starken Herzwand versehen trennten wir uns wieder von unserem Schlagstock. Vielleicht schlugen wir einen unterschiedlichen Takt, vielleicht ist es aber auch so, daß, wenn zwei Herzen den gleich Takt schlagen, sie sich einsamer anhören. Mit diesem Gefühlsabbruch endete nun auch die Schule, und nach der Schule habe ich gelernt. Ich meine, die Weisheit von Männchen ist wohl mehr im unteren Bereich zu finden, aber die der Weibchen auch. Zumal die meisten Vertreterinnen von ihnen hinterrücks öffentliche Propagandamaschinen sind. Sage etwas und es wissen gleich viel mehr ohne das sie viel mehr wissen. Was ich gelernt habe weiß ich nicht mehr. Ohnehin hatten meine Lehrer damals Bedenken daß ich denke - heute habe ich Bedenken.  Während der Lehre leerte ich meinen Kopf mit dem Beginn des Schreibens von kleinen Textfragmenten. Und mit dem Leeren kam ein bißchen Erfüllung. Nach der Lehre, wir schrieben gerade das Jahr 2000 - na ja du schriebst nicht, ich schrieb - begann für mich das acht-Stunden-Zeitalter. Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden ... vergessen. Ich machte Fortschritte, ohne davon besonders bewegt zu sein. 1991 brach mir nicht das Herz, dafür der Arm. Ich wollte eben nicht mehr nur kleine Schritte machen, sondern vielmehr eine Hürde überspringen. Doch ich bin ja kein Pferd, aber so dumm wie eines! Danach begann meine kreativste Phase. Auf der Suche und gefüttert mit den Weisheiten anderer begab ich mich auf den Weg, meine Zukunft zu finden, und gestaltete mir die Gegenwart.



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